{"slug": "swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus", "title": "Swiss public broadcaster to block AI scrapers – except Swiss model Apertus", "summary": "Swiss public broadcaster SRG will block AI scrapers from its content, except for the Swiss model Apertus, as part of a strategy to defend against Big Tech, according to SRG CEO Susanne Wille. Wille announced the launch of the streaming platform Play+ next year and called for a 'must-be-found' rule in Switzerland similar to France to ensure public service content remains visible.", "body_md": "# «Wir müssen uns verteidigen»: Susanne Wille verbündet sich mit der ETH gegen Big Tech\n\nDie SRG-Chefin sagt, wie sie Fernsehen und Radio vor den Bots retten will – und erzählt von einem KI-Experiment, das jüngst am Leutschenbach so richtig schiefging.\n\nFrau Wille, vor kurzem [drohte Elon Musk dem ZDF mit einer Klage](https://www.nzz.ch/deutschland/politik/elon-musk-droht-dem-zdf-mit-klage-und-trifft-einen-wunden-punkt-ld.10011487?srsltid=AfmBOop_yPTCfxRKdpa8xG1JVKZOABH6Y9GthcOIVsaEV7AQbq3htN0c), weil er einen Beitrag über sich als unfair erachtete. Das ZDF gab nach, gestand einen Fehler ein und entfernte daraufhin die betreffende Passage. Keine Angst, dass er bald bei Ihnen anklopft?\n\n**Susanne Wille:** Wir erleben gerade, wie sich die Machtverhältnisse im digitalen Raum verschieben. Ganze Kommunikationsplattformen liegen in der Hand einzelner Personen. Als öffentliches Medienhaus müssen wir frei von externem Einfluss oder Einschüchterungsversuchen berichten. Zugleich sind wir allen Rechenschaft schuldig, die unsere Inhalte nutzen. Allfällige Fehler müssen wir korrigieren, egal wer sie kritisiert. Sei es Frau Müller aus Boniswil oder Elon Musk auf X.\n\nWie wollen Sie sich gegen Big Tech behaupten?\n\nWenn wir den digitalen Raum den globalen Tech-Firmen überlassen, verlieren wir ein Stück demokratische Öffentlichkeit. Deshalb müssen wir als Medienplatz gegensteuern. Dies, indem wir unabhängige digitale Plattformen schaffen und den Service public neu denken. Ein Beispiel dafür ist die Live- und Streamingplattform Play+, die wir nächstes Jahr lancieren werden: ein einziger Ort für das gesamte SRG-Angebot. Die SRG soll damit zur digitalen Heimat der Schweiz werden.\n\nDie SRG nutzt aber nach wie vor umstrittene Plattformen wie Instagram oder Tiktok. Weil Sie fürchten, dass die Jungen die SRG erst übersehen und schliesslich ganz vergessen?\n\nÜber eigene Kanäle erreichen wir heute schon viele Junge. Aber wir müssen auch dort Orientierung bieten, wo sie sonst sind, also auch auf Youtube und Co. Zentral ist aber eine andere Frage: Wie werden wir digital gefunden, wenn wir gar nicht mehr gesucht werden?\n\nWas meinen Sie damit?\n\nFrüher landete man mit Taste 1 auf der Fernbedienung automatisch bei SRF. Heute müssen wir uns neu behaupten: gegenüber internationalen Plattformen, Algorithmen und KI-Oberflächen. Nicht nur die SRG, auch die Privaten und die Politik müssen sich damit auseinandersetzen. Wie gelingt es, dass Schweizer Inhalte mit gesellschaftlichem Wert im digitalen Raum auffindbar bleiben? Dazu gibt es interessante Ansätze, zum Beispiel in Frankreich. Dort werden die Plattformen, die den digitalen Zugang zum Publikum kontrollieren, mit einer sogenannten Must-be-found-Regel dazu verpflichtet, dass sie öffentlichrechtliche Angebote prominent sichtbar und leicht auffindbar machen.\n\nGlobal stehen die Öffentlichrechtlichen stark unter Druck. Tim Davie, der frühere Direktor der BBC, beklagt eine «weaponization»: Politische Gegner würden journalistische Fehler aufbauschen mit dem Ziel, Medienhäuser langfristig zu delegitimieren. Passiert das auch bei uns?\n\nDie Schweiz mit ihrer direkten Demokratie ist nicht England. Ich habe seit meinem Amtsantritt immer gesagt: Die SRG gehört allen, also dürfen sie auch alle kritisieren. In der Schweiz wird intensiv diskutiert, über einzelne Sendungen und, ja, auch über Fehler – unbeabsichtigte, handwerkliche Fehler. Allein in der Deutschschweiz erhalten wir monatlich bis zu 10 000 Rückmeldungen: per E-Mail, Telefon, über die sozialen Netzwerke. Und gerne erinnere ich an die letzte Abstimmung zur SRG, die ein Vertrauensbeweis für unsere tägliche Arbeit war.\n\nIm Abstimmungskampf tingelten Sie durch die Beizen.\n\nEs ist Teil unseres Auftrags, mit den Menschen den Dialog zu pflegen. Wir werden auch diesen Herbst unter anderem wieder in die Beizen gehen. Denn es reicht heute nicht mehr, einfach Journalismus zu machen. Es geht darum, auch zu erklären, wie wir arbeiten.\n\nEventuell müssen Sie den Menschen auch erklären, warum Sie die SRG gerade so rabiat umbauen.\n\nDie SRG muss einerseits einen klaren politischen Sparauftrag umsetzen und – ganz entscheidend! – sich gleichzeitig transformieren. Ja, es ist ein radikaler Umbau. Aber so gelingt es uns, 95 Prozent der Einsparungen in den Strukturen oder Herstellungsweisen umzusetzen. Denn wichtig für die Menschen ist das Programm. Nicht, wie wir uns organisieren.\n\nDabei hilft Ihnen bestimmt die künstliche Intelligenz.\n\nDa sage ich gerne überspitzt: Effizienzgewinne durch KI interessieren mich nicht.\n\nWie bitte?\n\n(lacht) Es ist doch ganz selbstverständlich, dass wir KI-Tools nutzen, um in der Buchhaltung oder in der Produktion effizienter zu werden. Das müssen wir einfach tun. Strategisch entscheidender ist die Frage: Was können wir mit KI tun, was wir bis jetzt nicht konnten? Wo können wir uns für das Publikum stärken?\n\nWo denn?\n\nWir verfolgen viele Ansätze. Als viersprachiges Medienhaus experimentieren wir zum Beispiel mit KI-unterstützten Übersetzungen. So können wir unsere Sendungen mehr Menschen zugänglich machen. Wobei jeder KI-Einsatz genau kontrolliert werden muss. Wir haben zum Beispiel Auszüge aus der Reihe «Hüttengeschichten» als Test übersetzen lassen. Die KI-Software machte dann aus «Das ist mir wurst» ein «C’est de la saucisse pour moi». Das geht natürlich nicht.\n\nDie KI-Firmen ihrerseits gieren nach journalistischen Inhalten, um ihre Modelle trainieren zu können. Wie gehen Sie damit um?\n\nAuch hier gilt: Wir müssen unsere Unabhängigkeit verteidigen. Deshalb haben wir in der Geschäftsleitung entschieden, den unkontrollierten Datenabfluss nicht mehr länger zu tolerieren. Seit diesem Monat werden Trainingsbots und Crawler der grossen KI-Unternehmen abgewiesen, wenn sie bei unseren Webseiten vorbeikommen.\n\nWas bedeutet, dass bis letzten Monat Videos, Fotos und Texte der SRG ungestört nach Amerika abgeflossen sind. Da haben Sie aber lange zugesehen!\n\nWichtig ist, dass wir gehandelt haben und ein Zeichen setzen: Unser Journalismus ist etwas wert. Unser Ziel ist nicht die Abschottung. Sondern dass wir mit den Tech-Plattformen Bedingungen verhandeln können. Und wir wollen den Schweizer Standort stärken.\n\nWie das?\n\nZum Beispiel indem wir unsere Daten künftig dem Schweizer KI-Modell Apertus zur Verfügung stellen wollen. Deswegen sind wir gerade in Gesprächen mit der ETH Zürich und der EPFL, die Apertus entwickeln. Das SRG-Archiv ist der grösste audiovisuelle Datensatz unseres Landes. Es gehört den Schweizerinnen und Schweizern, sie haben es finanziert. Und es gehört in ein transparentes, schweizerisches Umfeld.\n\nSie lassen keine Gelegenheit aus, die Bedeutung eines kooperativen Medienplatzes zu betonen. Dass SRG und Private zusammenarbeiten müssten. Die letztes Jahr versprochene, einfach einzuführende Beschränkung der Textlängen lässt aber immer noch auf sich warten. Das zeigt ein kurzer Blick auf Ihre Webseiten: hier[ eine ausgewachsene Romanrezension](https://www.srf.ch/kultur/literatur/roman-alles-liebe-in-ronja-von-roennes-neuem-roman-luegen-die-figuren-um-ihr-leben) auf SRF, dort [die umfassende Vorstellung eines Literaturfestivals](https://www.rts.ch/info/culture/livres/2026/article/grand-juillet-un-nouveau-festival-litteraire-genevois-29297512.html) auf RTS. Sind Sie nicht ehrlich?\n\nGegen diesen Vorwurf verwahre ich mich. Die SRG ist transparent. Wir haben uns mit den Privaten auf Längen geeinigt, die Wettbewerbskommission hat das aber beanstandet. Inzwischen gehen wir mit unserem Angebot an die Privaten noch weiter. So ist die SRG bereit, ihre Reichweiten zu teilen und ihre Plattformen für Inhalte anderer Medien zu öffnen. Wir müssen als Medienplatz grösser denken. Nur mit vereinten Kräften schützen wir die Informations- und Technologiesouveränität unseres Landes.\n\nJüngst sorgte zudem die Entlassung von vier Sprechtrainern für Aufruhr. Mehr als 300 Mitarbeiter haben einen Protestbrief gegen Sie unterschrieben. Gehen Sie zu forsch vor?\n\nSolche Massnahmen fallen uns nicht leicht. Nie, denn es geht hier immer um Menschen, um Lebenswege. Aber wir haben einen klaren politischen Sparauftrag. Und vieles ist schon passiert: Seit April werden unter anderem die Abteilungen HR und Finanzen einheitlich geführt, ebenso Technologie und Operationen. Aber wir werden um weitere Entlassungen nicht herumkommen, denn im Vergleich zu 2024 müssen wir 900 Stellen abbauen. Das tun wir aber immer sorgfältig und sozialverträglich.\n\nKommen wir von der Sparübung zurück zum grossen Ganzen: Laut dem Club of Rome ist die drängendste Herausforderung der Menschheit nicht ein Krieg oder die Klimakrise. Sondern «unsere kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden».\n\nIch möchte diese Gefahren nicht gegeneinander ausspielen. Aber es stimmt: Das KI-Zeitalter ist ein Technologiebruch, der uns als audiovisuelles Medium stark trifft. Im digitalen Raum kann man seinen Augen oft nicht mehr trauen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Arbeit sauber und transparent machen. Dass die Menschen wissen, dass sie sich auf unsere Inhalte verlassen können. Auch begleiten wir die Fake-News-Problematik journalistisch und engagieren uns, indem wir für Schulen den Umgang mit Medien aufzeigen. Denn glaubwürdige, zuverlässige Informationen gehören zur Sicherheitsinfrastruktur. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass unsere demokratische Debatte funktionieren kann.\n\n## Kooperation der SRG mit der ETH\n\n## «Sehr wertvoll», sagt der Chefentwickler von Apertus\n\nDie beiden ETH Zürich und Lausanne präsentierten vor einem Jahr ihr eigenes KI-Modell, Apertus. «Sehr wertvoll» sei die nun geplante Übernahme des SRG-Archivs, sagt Imanol Schlag, der Chefentwickler der ETH Zürich. Dies wegen des gewonnenen Audiomaterials: Apertus wird alle Schweizer Landessprachen und Dialekte verarbeiten können. Wertvoll ist das SRG-Archiv auch wegen der langjährigen, journalistisch geprüften Auseinandersetzung mit der Schweiz. «Genau solche Daten fehlen heute in praktisch allen KI-Modellen», erklärt Schlag. Mit dem einverleibten SRG-Archiv wird Apertus also vor allem für Schweizer Nutzer attraktiver. Wobei die KI bisher primär als Basismodell genutzt wird, aus dem hiesige Unternehmen eigene Anwendungen ableiten können, während etwa Chat-GPT ein fertiges Produkt ist.\n\nEin Aussenstehender, der die anstehende Kooperation zwischen SRG und ETH mit grossem Interesse verfolgt, ist Damian Borth. Der Informatik-Professor unterrichtet an der Universität St. Gallen zu Künstlicher Intelligenz. «Mit dem eingespeisten SRG-Archiv wird Apertus die Schweiz künftig besser kennen als ChatGPT oder Claude», erklärt Borth.\n\nDie Zusammenarbeit der beiden Schweizer Institutionen sei «clever». Dies, weil alle KI-Entwickler heute fiebrig nach neuen Inhalten fahndeten, um ihre Modelle weiter trainieren zu können. «Wie gross die Verzweiflung ist, zeigt sich daran, dass die KI-Firmen sich mittlerweile bei Antiquariaten eindecken und alte Bücher scannen.» Ein reichhaltiger Datensatz wie das SRG-Archiv sei da umso kostbarer. Er könne sich gut vorstellen, dass Apertus künftig für Schweizerinnen und Schweizer zu einem bekannten Begriff werden könnte, ähnlich wie heute ChatGPT. Und dass aus Apertus neue, populäre Anwendungen entstünden. «Zum Beispiel eine Wetter- oder eine Wanderapp.»\n\nClever sei die Zusammenarbeit von ETH und SRG aber auch deshalb, weil man so Daten in eidgenössischer Hoheit behalte, sagt der HSG-Professor. «Die Schweiz verschafft sich so einen Wettbewerbsvorteil.» Es sei durchaus denkbar, dass Apertus so in einzelnen Bereichen wie etwa bei Finanzdaten zum Anbieter werde - und amerikanische Unternehmen auf einmal zu Bittstellern.\n\nDerzeit klären die SRG und die ETH noch rechtliche Fragen. Eine Implementation des Archivs könnte laut Chefentwickler Schlag danach innert Monaten erfolgen.*(lsö.)*\n\nEin Artikel aus der «[NZZ am Sonntag](/nzz-am-sonntag)»", "url": "https://wpnews.pro/news/swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus", "canonical_source": "https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-muessen-uns-verteidigen-warum-susanne-wille-sich-gerade-mit-der-eth-verbuendet-ld.10018097", "published_at": "2026-08-12 06:28:59+00:00", "updated_at": "2026-08-12 06:40:02.980288+00:00", "lang": "en", "topics": ["ai-policy", "ai-ethics"], "entities": ["SRG", "Susanne Wille", "ETH", "Apertus", "Play+", "ZDF", "Elon Musk", "BBC"], "alternates": {"html": "https://wpnews.pro/news/swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus", "markdown": "https://wpnews.pro/news/swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus.md", "text": "https://wpnews.pro/news/swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus.txt", "jsonld": "https://wpnews.pro/news/swiss-public-broadcaster-to-block-ai-scrapers-except-swiss-model-apertus.jsonld"}}