Digitaler-Einbettungs-Tag In December, various German NGOs and companies launched the "Digital Independence Day" (DI.Day) to encourage people to move away from US-based digital platforms and toward alternatives, such as those in the EU, while providing concrete guides on how to do so. The article critiques the "Independence Day" framing, arguing that true human independence is a myth and that the goal should instead be to foster better, more conscious dependencies and social embeddedness rather than pursuing the illusion of complete autonomy. Diverse deutsche NGOs und Unternehmen haben im Dezember den “Digital Independence Day” ausgerufen. Am DI.Day, wie es gerne abgekürzt wird, sollen Menschen nicht nur motiviert werden, die digitalen Aspekte ihrer Existenz von vor allem US-basierten Plattformen und Anbietern hin zu anderen Plattformen z.B. in der EU zu verschieben sondern es werden auch konkrete Hinweise und Howtos bereitgestellt, wie genau man sich von bestimmten Plattformen befreien kann. Die Stoßrichtung kann ich absolut verstehen, ich habe vor einigen Tagen ja hier selbst beschrieben, welche Migrationen ich im vergangenen Jahr vorgenommen habe. Mehr solche konkreten Anleitungen sind in jedem Falle hilfreich, um Menschen und Gruppen die Möglichkeit zu geben, ihre digitale Lebenswelt besser zu gestalten. Überhaupt wieder zu gestalten. Sich nicht mehr nur als “user” sondern als gestaltend zu begreifen. Denn das Digitale ist ja an sich fast beliebig formbar, eine Eigenschaft, die zunehmend in Vergessenheit zu geraten scheint. Allerdings ist das Framing problematisch: “Independence Day”. Man will sich also unabhängig machen. Aber von wem eigentlich? Auf den ersten Blick gibt es hier einen leicht nationalistischen Spin: Man will sich nicht mehr auf ausländische/außereuropäische Anbieter verlassen müssen. Aber das wäre für den DI.day meiner Meinung nach eine unfaire Lesart. Es geht ja auch viel um Open Source und all das, also generell darum irgendwie unabhängig zu sein. Aber mal ne ketzerische Frage: Geht das überhaupt? Will man das überhaupt wirklich? Als Mensch zu existieren bedeutet abhängig zu sein. Wir sind als Kinder abhängig von unseren Eltern und Erziehenden, später von unserem sozialen Umfeld, unserem Job, der Arbeit, die viele unbekannte um uns herum erledigen, damit der Laden überhaupt laufen kann: Wir sind niemals unabhängig. Ich würde sogar weitergehen. Die Art, wie wir in Abhängigkeiten leben, macht uns stark. Bestimmte Arten von gegenseitiger Abhängigkeit sind die Basis von Solidarität und sozialem Zusammenhalt. Zu begreifen, das wir alle einander brauchen ist der erste Schritt um zu verstehen, wie sehr wir uns alle gegenseitig ein gutes Leben schulden. Das heißt nicht, dass alle Abhängigkeiten gleich sind: Ich bin ein Fan davon, bewußter über Abhängigkeiten nachzudenken und bestimmte davon loszuwerden, falls irgendwie möglich. Aber das darf nicht dazu führen der liberalen Chimäre des komplett unabhängigen Individuums, das rational am Markt oder so operiert, nachzurennen. Ein besseres Framing wäre meiner Meinung nach das der Einbettung. Mensch sein heißt eingebettet sein in Beziehungen und Abhängigkeiten. Und diese gilt es möglichst gut zu gestalten, spezielle Abhängigkeiten zu reduzieren und durch andere zu ersetzen, die fairer, menschlicher, repektvoller sind. Wir sind niemals unabhängig. Aber das heißt nicht, dass wir bestimmte Abhängigkeiten akzeptieren sollten. Ein gutes Leben ist ein Leben in guten sozialen Verbindungen. Guten Abhängigkeiten halt. This work is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.